Dienstag, 6. Juni 2017

Es gibt keine Überschrift, die passt

Soll ich, soll ich nicht? Ist das zu privat? Interessiert es überhaupt?( Danke für die Nachfrage Frau Prinzenrolle!!!)
Egal! Dies ist mein Blog, mein virtuelles Wohnzimmer sozusagen.
Nicht, dass ich sonst alle paar Tage gebloggt hätte, aber nun ist es schon eine lange Weile her:
Ich habe vor etwas mehr als 3 Monaten meine Mutter am Sterbebett bis zum Tod begleitet, nachdem ich sie zuvor fast 5 Jahre lang nahezu täglich besucht und versorgt hatte.
 Ich bin neulich 64 geworden.
 Beides Dinge, die mich bewegt und gleichzeitig gelähmt haben.
 Ist es nicht so, dass wir inzwischen sowohl Alter als auch Tod nahezu aus unserem Leben verbannen?
Ich kenne niemanden, der nach dem Tod eines Angehörigen noch für eine Weile "Trauer" trägt. Dabei ist mir inzwischen aufgefallen, dass das nicht nur eine doofe Kleidervorschrift vergangener Tage war, sondern durchaus einen Sinn erfüllte - auch wenn man nicht tieftraurig über den Weggang des geliebten Menschen ist, weil er einfach sehr alt war, sein Leben hatte etc. , auch wenn man einfach froh ist, die Verantwortung für einen zu pflegenden Menschen abgeben zu können, es braucht eine mehr oder minder lange Weile, bis man nach der erlebten Traurigkeit wieder zu sich selbst findet. Man reagiert auf manches eigenartig, hat merkwürdige "Befindlichkeiten". Da würde die Trauerkleidung den Mitmenschen vielleicht helfen zu signalisieren , anders mit einem umzugehen...Und man selbst würde sich gestatten dürfen, einfach nicht so zu sein müssen wie gewohnt.
Und Alter? Ach, ist ja gar kein Problem. Glaubt man den Hochglanzfotos aus den Gazetten, dann sind wir ja mit 70 noch faltenfrei... und noch besser: so aktiv und beweglich! Und hey, die ganzen Rockstars aus meiner Jugend feiern sich auch immer noch.
Allein - ich stelle fest, dass ich seit einigen Jahren zum Beispiel nicht mehr abends zuschneiden noch nähen sollte: da schleichen sich zuviele Fehler ein. Überhaupt: Es geht alles viel langsamer und manchmal auch mühsamer.
Nicht, dass ich mich alt fühle. Nein. Ich werde auch nicht ab jetzt Faltenrock, hochgeschlossenen Kaschmirpulli und Perlenkette tragen ...
 Aber gewisse Einschränkungen sind einfach da. Da können mir die Magazine erzählen, was sie wollen!
Ach, und nicht, dass ich nun nur Trübsal geblasen hätte. Nein, ich hab gelebt wie immer, ich hab mit Freuden genäht, unter anderem bei 2 Nähkränzchen in Berlin und in Bremen.
Nur das Fotos machen und Posten blieben irgendwie auf der Strecke, das konnte ich einfach nicht bedienen.
Also bitte verzeiht mir, spätestens nach der Sommerpause des MMM bin ich wieder dabei.
Morgen ist übrigens "Mottotag Streifen" beim MeMade Mittwoch!


Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Ich bewundere immer die jungen Frauen,die neben dem Beruf es noch schaffen, Kinder, Haushalt UND Hobby zu erledigen und dabei so viele schöne Dinge entstehen lassen. Vielleicht war ich, waren wir, als wir jünger waren genau so. Ich bin jetzt 65 und muss auch längere Pausen einlegen. In unserem Alter wird man öfter mit dem Tod konfrontiert, alte Eltern sterben, eine Schulfreundin oder ein ehemaliger Arbeitskollege sind nicht mehr da, Menschen, mit denen man Erinnerungen geteilt hat. Wie oft schon wollte ich meiner Mutter sagen: "weißt du, wen ich heute in der Stadt gesehen habe?" Sie wäre die Einzige gewesen, die sich an diese Person erinnert hätte und wir hätten alte Erinnerungen auffrischen können.
    Vielleicht ist es notwendig, sich mit dem Tod auseinander zu setzten, um der Endlichkeit bewusst zu werden, nicht mehr in unnötigen Aktionismus zu verfallen. Wir dürfen jetzt langsamer werden und mehr genießen, uns zwingt kein Arbeitgeber mehr zu Leistungen bei ungeliebten Arbeiten. Noch nie war ich selbstbestimmter als jetzt.
    Hach, jetzt werd ich philosophisch ...
    Liebe Grüße
    Ilse

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  2. Sehr bewegend - fühl dich gedrückt.
    Astrid

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  3. Liebe Dodo,
    das tut mir unendlich leid und ich weiß wie es Dir jetzt geht, denn ich habe im vorigen Jahr meinen Vati nach langer schwerer Krankheit verloren. Seit dieser Zeit wird mir immer bewußter, wie endlich unsere Zeit ist, und daß wir vor allem unsere Zeit mit schönen und wertvollen Momenten füllen müssen. Mit der Trauer muß jeder Mensch alleine zurecht kommne, den Schmerz kann einem keiner nehmen. Du wirst den richtigen und guten Weg für Dich finden. Fühl Dich gedrückt, alles Liebe udn viel Kraft!
    Susan

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  4. Ich schicke Dir anteilnehmende Grüße aus dem fernen St. Petersburg...

    (... und 64 hätte ich nie gedacht!!)

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  5. Mein herzliches Beileid wegen deiner Mutter. Ich bin ja noch jung (Mitte 30) und habe irgendwie diffuse Angst vor dem Älterwerden. Vor den Problemen und Wehwehchen, die ja zwangsläufig kommen. Vor der fehlenden Rente. Vor Kindern oder doch nicht. Und ich bewundere solche Frauen wie dich, die fest im Leben stehen und einen eigenen, ungewöhnlichen Weg gehen. Danke dafür, dass du mein Vorbild bist!

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  6. So wie es keine Überschrift gibt die passt ist es auch schwer einen passenden anteilnehmenden Kommentar zu schreiben. Das reale Leben verlangt unsere Aufmerksamkeit und Kontakte zwischen Bloggerinnen sind zweifellos toll, aber ein Blog darf auch mal pausieren. Ich freu mich trotzdem auf noch viele tolle Bilder von dir.
    Lieber Gruß
    Elke

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  7. Ich kann das alles gut nachvollziehen, denn auch meine Mutter ist letzten Monat gestorben (92 Jahre alt und seit 1 1/2 Jahren in einem Pflegeheim sehr gut versorgt). Das kann einfach nicht spurlos an einem vorbei gehen, auch wenn ich mich sehr auf mein zweites Enkelkind freuen kann, das Anfang August auf die Welt kommen wird. Übrigens werde ich dieses Jahr 65.
    Grüßle Bellana

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